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Bilden Sie sich selbst ein Urteil!

Mehr denn je sind wir aufgerufen uns eine individuelle Meinung zu formen. Ist meine Meinung eigentlich wirklich die meine, oder habe ich sie irgendwann einmal von irgendwem übernommen, ohne mir selbst je ein umfassenderes Bild über die Sache gemacht zu haben? So meine Frage an Sie: Wie denken Sie über Wladimir Putin? Wie auch immer die Antwort ausfällt, könnten Sie sich nun einmal in Ruhe die folgende Video-Aufnahme (26:30 Min.) anschauen, von Putins Rede vor dem deutschen Bundestag am 25.09.2001: Link YouTube

Egal welches Bild Sie sich bereits über diesen Menschen geformt haben, lassen Sie sich einfach erneut auf ihn ein, als hörten und säen Sie ihn zum ersten Mal. Sie könnten sich dabei fragen, wie die Rede auf Sie selbst und auf seine Zuhörer im Bundestag wirkt…

Eine der größten Schwierigkeiten bei der „Meinungsbildung“ scheint zu sein, dass die Quellen, welche hierfür als Grundlage dienen, uns kein wahres Bild über die Ereignisse geben. Ein Beispiel hierzu aus meiner eigenen Erfahrung:

Als Jugendliche nahm ich an einer Großdemonstration gegen das damals im Bau befindliche Atomkraftwerk in Brokdorf teil. Die Erinnerung an dieses Ereignis ist eindrucksvoll. Es war Februar und eisig kalt. Mit einem Freund war ich in der Nacht mit dem Auto angereist. Den ganzen Tag – es war der 28. Februar 1981 – gingen wir über Wege und gefrohrene Äcker, über Gräben springend durch das flache, offene Land in Richtung Baustelle. Der Blick reichte bis zum Horizont und wohin wir auch schauten, überall waren Menschen. Es müssen Hunderttausende gewesen sein. Hubschrauber in der Luft, und auch Polizisten hier und dort, doch es war friedlich. Die Bauern boten ihre Kuhställe als Toilettenersatz an. Es gab keinen Baum, keinen Strauch, nur eisigen Wind, flaches Land und überall Menschen…

Als wir spät abends ins warme Wohnzimmer zurückkehrten und die Bilder in den Nachrichten sahen, brach in mir eine Welt zusammen. Zu sehen waren eine handvoll Menschen am Bauzaun, die mit der Polizei kämpften. Der Gewaltakt, wurde gezeigt und Hunderttausende friedlich protestierend in der Kälte über das Land marschierend verschwiegen. Ich hatte Bilder aus Sicht der Hubschrauber erwartet, welche das Ganze von oben zeigen mit den langen Schlangen parkender Busse und einer Volksbewegung soweit das Auge reicht.

Mein Vertrauen in die öffentlichen Nachrichten lag in Scherben. Was dort gezeigt wurde, entsprach nicht der Realität. Es war ein klitzekleiner Auschnitt nur, der aber bei den Menschen vor dem Fernseher einen tiefen Eindruck hinterließ. Ich war wütend an diesem abend, hätte schreien können vor Empörung.

Heute weiss ich, dass die Art der Berichtgebung verborgene Absichten verfolgt und diese in der Regel mit meiner nicht übereinstimmen. Die Art wie in den Medien über Corona berichtet wird zum Beispiel erzeugt Angst. Aus dieser Angst heraus ist es kaum möglich sich wirklich einen realen Eindruck über die Sache zu bilden. Derartige Nachrichten stellen durch ihren scheinbar objektiven, in Wirklichkeit aber emotional-manipulativen Charakter eher ein Hindernis als ein Hilfsmittel dar, um sich tatsächliche eine eigene Meinung über die behandelte Sache zu bilden. Es resultiert dann zwar auch eine Meinung, nur ist es nicht die meine. Sie wurde unbemerkt und ungefragt in mein Inneres hineingepflanzt.

Die Welt steht Kopf. Man könnte sogar die Persönlichkeit von Donald Trump einmal unabhängig und neu untersuchen und würde vermutlich zu erstaunlichen Ergebnissen kommen. Darin sehe ich auch etwas Wertvolles in dem ansonsten eher absurden und erschreckenden Zeitgeschehen: Schwarz und Weiss sind nicht mehr eindeutig auseinander zu halten. Man muss bei allem tatsächlich stets wieder neu hinschauen und kann sich nicht mehr auf vorgeprägte Urteile und Meinungen verlassen. Grün ist nicht mehr Grün, Rot nicht mehr Rot und Schwarz nicht mehr Schwarz. Die Offenheit seine bisherige Meinung eventuell zu revidieren und verschiedene Informationsquellen zu konsultieren, werden in der heutigen Zeit essentiell. Selbst der erklärten Gefahr oder dem scheinbaren Feind gilt es ins Gesicht zu schauen, anstelle einzig auf vertraute Stimmen zu hören und sich in die Scheinsicherheit einer altbekannten Welt zurückzuziehen. Kein Stein steht mehr auf dem anderen!

© Christine Richter

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