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Hoffen wir…

„Hoffen wir, dass es bald besser wird, wir können ja sowieso nichts daran ändern!“ Dies sind wohl die meist gehörten Worte zum Abschluss eines Gespräches in der vom Coronavirus geplagten Zeit. Leider tragen die Worte vom Gefühl her eher das Gegenteil in sich, als das was sie beabsichtigen: die Hoffnung auf das Wirken „höherer Mächte“, die das vorherrschende Desaster richten. Es ist nicht wirklich ein Licht der Hoffnung in ihnen spürbar, sondern mehr eine beschwerende Verzweiflung, wenn nicht gar Resignation. Nicht die ersehnte innere Ruhe in der Gewissheit eines „höheren Wirkens“ mit baldiger Verbesserung der Lage drückt sich in den Worten aus, sondern bangende Unruhe im Gefühl der waltenden Ohnmacht eines tatenlos Zuschauen müssens und Wartens, was da wohl noch alles über einen kommen mag…

Was könnte uns wirklich Hoffnung spenden in dieser so offensichtlich und aus verschiedenen Gründen unhaltbaren Situation?

Es bräuchte mehr Vertrauen, nicht nur in Gott, das natürlich auch, aber vor allem auch in die eigenen Möglichkeiten und Kräfte. SELBST – Vertrauen im Wissen sehr wohl imstande zu sein Einfluss zu nehmen auf den Verlauf der Dinge. Sogar Einfluss nehmen zu müssen, damit die erwünschten Verbesserungen der gesundheitlichen, politischen und ökonomischen Situation eintreten können. Ist es nicht gerade das Passiv-Sein und Abwarten, das die Tür für die unerwünschten, destruktiven Mächte öffnet, anstelle selbst nach bestem Wissen und Gewissen etwas beizutragen zu dem Geschehen? Die größte Hoffnung liegt meines Fürwahrhaltens im eigenen „Selbst“, in der Erkenntnis der Möglichkeit jeden Augenblick neu zu beginnen und Gutes für mich und die Welt erschaffen zu können.

Es gibt wohl nichts, das mehr Zuversicht zu spenden vermag als die Erkenntnis der eigenen Kräfte und deren Verbindung zu höheren Mächten. Selbstüberschätzung ohne Gottesbezug ist die andere Seite der kranken Medaille. Geist und Mensch gehören zusammen. Wenn wir uns zu wichtig nehmen und babylonische Türme bauen ist das genauso hinderlich, wie sich selbst nichts zuzutrauen und wartend um himmlische Hilfe zu flehen. Die Spiritualität lebt weniger in der Autorität einer Kirche, sondern im Menschen selbst.

Aus diesem Grunde kann Ich mich zu nichts anderem bekennen, als zu mir selbst. Zu etwas, das nicht nur in mir, sondern auch in den anderen Herzen lebt und wirkt. Niemand kann mir sagen was zu tun ist, es obliegt mir selbst. Auch kleine Handlungen können von Bedeutung sein. Der Petrus verleugnete sich, seine Liebe, sein Herz, als er sagte „Ich kenne Ihn nicht!“ (Lucas, 22 (54-62 )). Es war sein größter Schmerz nicht den Mut gehabt zu haben die Wahrheit über sich und sein Hiersein zu sagen.

Das Herz des Menschen ist die eigentliche Kirche, in welcher der „Geist“ Wohnung bezogen hat. Hoffnung ist Licht. Dort wo Licht lebt ist Hoffnung. Das Licht ist in uns Menschen. Worauf warten wir noch?

Christine Richter

Aquarellbilder von Anna Mansi

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